Monday, 3 February 2014

Markus Zusak - Die Bücherdiebin

Ich hatte das Buch schon lange zu Hause stehen, ich hatte es mir vor ein paar Jahren zu Weihnachten schenken lassen, aber nie wirklich angeschaut. Ausgesucht hatte ich es damals aufgrund des Einbandes. Bis zur Kinovorschau, die ich vor einigen Wochen gesehen habe, hatte ich keine Ahnung, um was es überhaupt geht, hatte den Klappentext nicht gelesen, nichts.
Da ich gerne die Bücher vor dem Film sehe, hatte ich vor einer Freundin erwähnt, dass ich es nach dem 1. Band von Herr der Ringe lesen möchte. Die Reaktion auf mein Vorhaben, war dieser Satz: "Also ich konnte nach dem Buch eine Woche lang nichts lesen!"... Trotz dieser Warnung, und der damit einhergehenden Ahnung, habe ich das Buch trotzdem angefangen, und nun innerhalb knapp einer Woche ausgelesen.
 
Ganz kurz zum Inhalt:
Die Geschichte spielt im südlichen Nazideutschland. Liesel, das ist die Bücherdiebin, soll künftig als Pflegekind in der Nähe von München leben.Sie wird zunächst ein Buch stehlen, dann lesen lernen, und schließlich wird das Stehlen ein Teil ihres Daseins werden. Liesel wird die Liebe ihrer Pflegeeltern empfangen, auch wenn sie zu Beginn nichts mit den fremden Leuten anfangen kann. Sie wird Freundschaften für's Leben schließen und sie wird insgesamt vier mal dem Tod begegnen.
Die Bücherdiebin ist ein Buch voller Farben, voller Leben und trotzdem... wenn der Tod eine Geschichte erzählt, kann man sich vorstellen, was für eine Art Geschichte man da in den Händen hält. Doch man sollte sich von diesem ersten, ernsten Eindruck nicht täuschen lassen. Der Tod ist in diesem Fall ein äußerst liebevoller Erzähler, der zwar eindeutig kein Mensch ist, aber doch menschliche Züge aufweist. Er sagt über sich selbst, dass er angenehm, amüsant, achtsam und andächtig ist, und das sind nur die Eigenschaften, die mit einem A beginnen; er ist alles, nur NETT, NETT ist er NICHT, das liegt nicht in seiner Natur.
 
Entgegen meiner Gewohnheit habe ich das Werk eines englischsprachigen Autors nicht im Original, sondern in der deutschen Übersetzung gelesen - hauptsächlich deshalb, weil ich gar nicht wusste, dass Zusak kein Deutscher ist. Allerdings hat der aus Wien stammende Vater des Autors gesagt:
"Auf Englisch war es ja schon unglaublich gut, aber es auf Deutsch zu lesen, ist noch viel besser."
 Ich kann nur soviel sagen, dass ich die deutsche Übersetzung grandios fand. Die Dialoge, die ab und an leicht ins bayrische fallen, unheimlich liebevoll und sehr authentisch.
 
Das Buch hat mich buchstäblich innerlich zerrissen, ich konnte überhaupt nicht mehr aufhören zu weinen, denn obwohl man schon sehr früh erfährt, was noch so alles passieren wird, trifft einen das Ende doch irgendwie unvorbereitet. Es ist ein furchtbares Buch, und gleichzeitig so etwas wie mein neues Lieblingsbuch (obwohl ich im Augenblick nicht davon ausgehe, dass ich es nochmal lesen können werde). Ich liebe die handelnden Personen, ich mag den Tod als Erzähler, ich mag die Hoffnung, die trotz all der Verzweiflung geweckt wird, kurz: Ich liebe "Die Bücherdiebin". Punkte mag ich keine vergeben. Die Versuchung, einfach 100 oder 1000 von 10 möglichen zu geben, liegt zu nah, aber dann zerstöre ich mein System. Ich spreche aber auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung aus - und würde empfehlen, den Schluss (die letzten 20 Seiten) nicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu lesen, und einiges an Taschentüchern parat zu haben!
 
Ich werde vermutlich keine ganze Woche warten, um wieder ein Buch zu lesen, aber es stimmt schon, das Buch wühlt sehr auf, und auf meinem heutigen Arbeitsweg, habe ich es vorgezogen, nichts zu lesen, nichts zu hören (ich stehe auf Hörbücher, für die Zeit, wo ich nicht lesen kann, weil ich auf den Verkehr achten sollte...) und nicht mal wirklich aus dem Fenster zu sehen, ich war einfach irgendwie leer... Trotz allem... mein nächstes Buch wird das neue Virals sein "Code" von Kathy und Brendan Reichs.

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